CHIRURGIE AM KARAPITYA TEACHING HOSPITAL

Neben dem Ablauf des PJ-Tertials in der Chirurgie in Sri Lanka möchte ich euch auch das Krankenhaus etwas vorstellen und ein paar nützliche Tipps geben, was ihr u.a. bei der Arbeitskleidung beachten solltet.

DER ERSTE TAG

An eurem ersten PJ Tag in der Chirurgie in Sri Lanka geht ihr zunächst um 8:30 zum Hauptgebäude der medizinischen Fakultät, auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Krankenhaus, zum „Dean´s Office“. Dort wird euch dann die Sekretärin empfangen, um erst einmal den ganzen Papierkram zu erledigen und (ganz wichtig in Sri Lanka) die PJ-Gebühr zu bezahlen. Die Sekretärin hat manche von uns schon zum verzweifeln gebracht, weil dort alles sehr langsam abläuft. Das ganze dauert gut und gerne mindestens 2 Stunden, wenn nicht sogar länger (je nachdem wie viele Studenten an eurem ersten Tag da sind).

Ihr werdet zu aller erst zum Bezahl-Counter geführt, an dem ihr dann 50 USD pro Wochen bezahlen dürft. Dies ist entweder in USD oder LKR möglich. Anschließend erhaltet ihr die ganzen Unterlagen für die Verlängerung des Visums (↵ siehe Visum). Nachdem das erledigt ist, werdet ihr z.B. von Assistenzärzten oder einheimischen Medizinstudenten zum Verantwortlichen eures PJ-Tertials geführt und die Arbeit beginnt. 

PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - medizinische Fakultät am Karapitya Hospital
Faculty of Medicine - © Saskia Faak

DAS KRANKENHAUS

Das Karapitya Teaching Hospital in Galle wurde 1982 erbaut und ist als staatliches Krankenhaus das  drittgrößte in Sri Lanka sowie das Hauptlehrkrankenhaus der Universität. Hier gibt es auch eine Cafeteria, in der ein Hauptgericht ca. 100 LKR (60 Cents) kostet.

Das Krankenhaus verfügt über ein altes und ein neues Gebäude. Der Unterschied ist enorm. Der neue Komplex wurde 2008 über eine Förderung der australischen Regierung gebaut, nachdem die Möglichkeiten der Notfallversorgung während des Tsunamis im Jahr 2004 mehr als begrenzt waren.

PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Gebäude des Karapitya Hospitals
neues Gebäude (links) und altes Gebäude (rechts) - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Karapitya Hospital
offene Stationen - © Saskia Faak

ARBEITSKLEIDUNG

In Sri Lanka tragen die Ärzte auf Station normale Kleidung (Jeans, keine weiße Krankenhaushose oder so) und darüber einen Kittel. Auf den Kittel hat das Krankenhaus bestanden, um Ärzte von den Massen an Patienten zu unterscheiden. Dieser und ein Stethoskop sollte v.a. für die „ward rounds“ und die „1st visit clinic“ Teil euer Reisegepäck sein. Da viele Medizinstudenten ihren Kittel allerdings nach ihrem Aufenthalt zurücklassen, haben wir einen von unserer Gastfamilie bekommen. Ich fand es aber bei gefühlten 40 Grad in dem offenen Krankenhaus sehr anstrengend ständig einen Kittel zu tragen. Kurze Hosen sollte man nicht unbedingt anziehen, Dreiviertel-Hosen sind aber, vor allem bei der Hitze, in Ordnung. Mehr zum „Dresscode“ findet ihr ↵ hier

Im OP-Saal bekommt man OP-Kleidung. Obwohl ich das fast nicht mehr so nennen würde. Die Schuhe fallen fast auseinander und sind an mehreren Stellen mit Klebestreifen zusammengehalten. Die Kleidung ist eingerissen oder geht bereits nach einmal anziehen kaputt. Ich würde euch empfehlen für das PJ in der Chirurgie in Sri Lanka OP-Kleidung aus Deutschland mitzunehmen, wenn das eigene Krankenhaus das erlaubt.   

PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Kleidung im Karapitya Hospital
Medizinstudenten in OP-Kleidung - © Saskia Faak

ABLAUF DES PJ IN DER CHIRURGIE IN SRI LANKA

Es gibt insgesamt vier „General Surgery“-Teams. Ich war in dem Team von Dr. Abeywickrema eingeteilt, dem Hauptverantwortlichem für internationale Medizinstudenten. Er hat uns gleich zu Beginn eine ausführliche Einführung über den Ablauf des PJ Tertials in der Chirurgie in Galle (Sri Lanka) und den dazugehörigen Rotationsplan gegeben. Jedes Team durchläuft diesen in unterschiedlicher Reihenfolge, sodass Station und OP immer besetzt sind.

Für unser Team sah der Ablauf folgendermaßen aus:

Montag – „Consultant ward round 3 & 5″

In Sri Lanka sind die Stationen nach Geschlechtern getrennt. Ward 3 ist die Frauenstation und Ward 5 die Männerstation. Alle Stationen sind offen, sprich ohne Fenster, und dementsprechend herrscht dort eine enorme Hitze. Es gibt auch keine Einzelzimmer, in der Regel sind jeweils ca. 10 Betten durch Vorhänge getrennt.

Die Ward rounds, sprich Visiten,  verlaufen immer recht schnell. Der Consultant geht Patient für Patient durch, spricht weniger mit dem Patienten selbst, sondern eher mit den Assistenzärzten über das weitere Procedere. Die Ärzte reden während der Visite untereinander Englisch, allerdings ist dies zum Einen aufgrund der Aussprache und zum Anderen aufgrund der Lautstärke (Singhalesen sprechen sehr leise) schwer zu verstehen. Die körperliche Untersuchung ist sehr knapp gefasst und beschränkt sich meist auf einen kurzen Blick oder Abtasten des Abdomens. Der Consultant schaut sich von jedem Patienten die CT- oder Röntgenaufnahmen an und übergibt sie meist an uns Studenten, damit wir uns ebenfalls ein Bild verschaffen können.

Nach der Visite:

Im Anschluss an die Visite schlägt der Consultant ein paar Patienten vor, die wir noch einmal ausführlich untersuchen können. Anfangs haben wir verzweifelt nach den Patientenakten gesucht, bis wir herausfanden, dass dünne Schnellhefter diese darstellen sollen. Die Visite wird handschriftlich auf kleinen Zettelchen festgehalten. Im Allgemeinen erfolgt im Krankenaus keine Dokumentation elektronisch, nicht einmal die Röntgenaufnahmen.

Dienstag – „Elective consultant operation list O.T. E & F“

Die verschiedenen Operationssäle im Krankenhaus zu finden ist gar nicht so einfach und ich habe mich selber schon mehrmals während meines PJ in der Chirurgie in Galle (Sri Lanka) verlaufen. O.T. E & F befinden sich im sogenanntem „alten Gebäude“. Hier werden sowohl vor- als auch nachmittags alle möglichen Operationen durchgeführt. Ein wirkliches Konzept scheint es da nicht zu geben, da von Leisten-/Schenkelhernien, Hydrozelen, Zahnextraktion, Knochenzysten etc. alles dabei ist.

Die Patienten laufen meist selbständig in den Operationssaal und, wenn sie nur eine Lokalanästhesie bekommen haben, meist auch wieder hinaus. Der Patientenwechsel ist teilweise so schnell, dass man den manchmal sogar verpasst. Dieses Tempo hat uns am Anfang während des PJ Tertials in der Chirurgie in Sri Lanka sehr irritiert. Es ist auch nicht unüblich, dass zwei oder mehr Patienten gleichzeitig im Saal operiert werden. Während an dem einen Patienten beispielsweise eine perineale Abszessspaltung durchgeführt wird, liegt direkt daneben ein anderer Patient mit einem orthopädischen Eingriff. Beide Patienten sind wach und können einander zuschauen, Intimsphäre wird hier definitiv nicht so ernst genommen wie in Deutschland.

Steriles Arbeiten:

Während der Patient von der Anästhesie für die Operation vorbereitet wird, machen sich die Chirurgen „steril“. Das Verständnis dafür ist allerdings ein anderes als bei uns. Hier werden die Hände und Arme lediglich mit einem Stück Seife gewaschen, Händedesinfektionsmittel gibt es im OP überhaupt nicht. Auf Station hingegen habe ich ab und zu Desinfektionsmittel entdeckt. Wir Studenten haben uns aber für unser PJ in der Chirurgie in Sri Lanka vorausschauend aus Deutschland eine kleine Flasche mitgenommen und das würde ich auch jedem empfehlen! Steriles Anziehen, Desinfektion des OP-Gebietes sowie steriles Abdecken erfolgt analog wie in Deutschland, auch wenn die Abdecktücher zum Teil erhebliche Flecken aufweisen und an der Sauberkeit zweifeln lassen.

Mittwoch und Donnerstag – „Emergency short stay ward, Endoscopy list, Mini O.T., Emergency admissions, Emergency operation list“

Mittwochs wird als „Casualty-Day“ bezeichnet, an dem sich das „General Surgery“-Team in mehreren Abteilungen aufteilt. Vormittags finden die „Emergency short stay ward rounds“, die Endoskopie sowie das „Mini O.T.“ statt. Bei der Visite des „Emergency short stay ward“ geht der Oberarzt, ähnlich wie am Montag, jeden Patienten durch.

Nachmittags finden zunächst die „Emergency admissions“ statt, die bis zum nächsten Tag um 8 Uhr morgens fortgeführt werden. Ab 14 Uhr laufen für die nächsten 24 Stunden die Notfalloperationen, welche im neuen Komplex des Krankenhauses durchgeführt werden.

Ablauf im OP:

Es gibt insgesamt vier Operationssäle, wobei zwei speziell für neurochirurgische und orthopädische Eingriffe genutzt werden. Nachts sind aus Personalmangel nur zwei Operationssäle besetzt. Um alle vier Säle laufen zu lassen, fehlen vor allem Anästhesisten und Krankenschwestern. Aus diesem Grund werden in den zwei verbleibenden Operationssälen mehrere Operationen gleichzeitig durchgeführt. Während ein Patient in Vollnarkose operiert wird, liegt ein zweiter Patient mit beispielsweise traumatischer Sehnenruptur der Hand daneben. Dieser erhielt nur eine Lokalanästhesie, sodass er sowohl die OP des anderen Patienten als auch seiner eigenen die ganze Zeit verfolgen konnte, was ihm sichtlich nicht gefallen hat. Es wurde zwar ein Abdecktuch über den Arm gelegt, allerdings kein Sichtschutz für den Patienten angebracht. Für Menschen in Deutschland, die bereits kein Blut sehen können, ist dies sicherlich eine Horrorvorstellung. In Sri Lanka scheinen die Leute diesbezüglich abgehärtet zu sein.

Freitag – „1st visit clinic“

Freitags kümmern sich die Ärzte um ambulante Patienten, die einen Termin, zum Beispiel zur operativen Nachkontrolle, haben. In einem kleinen Raum sitzen drei Ärzte, die gleichzeitig Patienten befragen und untersuchen. Zusätzlich befinden sich circa 5-8 Medizinstudenten im Raum.

Die Anamnese findet auf Singhalesisch statt (viele singhalesische Patienten sprechen kein Englisch). Um uns dennoch ein Bild über den Patienten verschaffen zu können, lasen wir uns anschließend die Krankenakte durch. Ambulante Patienten besitzen ein sogenanntes „Muttiheftchen“, welches sie zur jeder Arztkonsultation mitbringen. Sollten sie dieses einmal verlieren, wäre ihre gesamte Krankengeschichte weg. Nachdem der Oberarzt mit der Anamnese fertig war, übergab er uns den Patienten, um ihn zu untersuchen und ihm anschließend mitzuteilen, welche Befunde wir erhoben haben. Insgesamt ging das immer sehr schnell, da draußen bereits mehrere hundert andere Patienten warteten.

PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Station im Karapitya Hospital
Station - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Saal im Karapitya Hospital
OP-Saal - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Vorbereitungsraum im Karapitya Hospital
Vorbereitungsraum - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Händedesinfektion am Karapitya Hospital
Seife für die "chirurgische Händedesinfektion" - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Operation am Karapitya Hospital
OP-Saal - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - sterile Instrumente im Karapitya Hospital
sterile chirurgische Instrumente - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - sterile OP-Sets im Karapitya Hospital
in Tüchern eingepackte OP-Sets - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Patientenliege im Karapitya Hospital
Patientenliege - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Aufwachraum im Karapitya Hospital
Aufwachraum - © Saskia Faak

FAZIT

Alles in allem war das PJ Tertial in der Chirurgie in Sri Lanka eine sehr interessante Erfahrung! Da es sehr viele Medizinstudenten dorthin zieht, sind die Stationen und OP-Säle dementsprechend voll. Aus diesem Grund ist es nicht unüblich, wenn man eher eine beobachtende Rolle hat, also wirklich aktiv zu werden. Je nachdem wieviel Engagement man zeigt.

Medizinische Behandlung:

Die Qualität der Behandlung im Krankenhaus ist natürlich in einem Entwicklungsland wie Sri Lanka nicht dieselbe wie an einem deutschen Krankenhaus, vorrangig bedingt durch mangelnde hygienische Standards und Ärzteknappheit im Vergleich zu der Vielzahl an Patienten. Anfangs war es für mich schockierend zu sehen, wie Dinge dort gehandhabt werden, v.a. aus hygienischer Sicht. Auch war ich sehr irritiert wie dort mit Intim- und Privatsphäre umgegangen wird. Allerdings ist dies zum Teil verständlich, wenn man bedenkt, dass einfach zu wenige Ärzte vorhanden und die Patienten dankbar sind überhaupt eine medizinische Behandlung zu erhalten. Ich muss hinzusagen, dass sämtliche Behandlungen am Karapitya Hospital für Patienten umsonst sind. Trotz alle dem war ich beeindruckt über die Effektivität der Arbeit. In derselben Zeit operieren die Ärzte mindestens dreimal so viele Patienten im Vergleich zu Deutschland, mit gutem medizinischen Resultat.

Ausbildung der Ärzte:

Generell ist die fachliche Qualifikation der Ärzte trotz der knappen Ressourcen und finanziellen Mittel hervorragend. Auch können sie sich an ausländische Patienten anpassen und nehmen beispielsweise die Privatsphäre hier genauer wahr. Dies ist unter anderem dadurch bedingt, dass ein Teil der Facharztausbildung darin besteht für zwei Jahren in einem anderen Land zu arbeiten, viele Ärzte gehen hierfür nach England.

 

PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - medizinische Fakultät am Karapitya Hospital
Faculty of Medicine - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Gebäude des Karapitya Hospitals
neues Gebäude (links) und altes Gebäude (rechts) - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Kleidung im Karapitya Hospital
Medizinstudenten in OP-Kleidung - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Station im Karapitya Hospital
Station - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Saal im Karapitya Hospital
OP-Saal - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - OP-Vorbereitungsraum im Karapitya Hospital
Vorbereitungsraum - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Händedesinfektion am Karapitya Hospital
Seife für die "chirurgische Händedesinfektion" - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Operation am Karapitya Hospital
OP-Saal - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - sterile Instrumente im Karapitya Hospital
sterile chirurgische Instrumente - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - sterile OP-Sets im Karapitya Hospital
in Tüchern eingepackte OP-Sets - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Patientenliege im Karapitya Hospital
Patientenliege - © Saskia Faak
PJ in Sri Lanka (Galle) - Ablauf in der Chirurgie - Aufwachraum im Karapitya Hospital
Aufwachraum - © Saskia Faak

Erfahrungsbericht von

Dr. med. Saskia Faak

ehem. Studentin der Technischen Universität Dresden

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