FAMULATUR AM AKIM ODA GOVERNMENT HOSPITAL

Hier findet ihr einen Erfahrungsbericht über den Ablauf der Famulatur in der Chirurgie, Inneren Medizin und Geburtshilfe in Akim Oda (Ghana). Ihr erhaltet u.a. ein paar nützliche Tipps bezüglich der Arbeitskleidung im Krankenhaus. 

DAS KRANKENHAUS UND GESUNDHEITSSYSTEM

Im Akim Oda Government Hospital gibt es keine richtigen Fachabteilungen, sprich die Stationen sind nicht nach Fachrichtungen gegliedert. Im Grunde bestehen die Stationen aus einem großen Raum, in dem Patienten mit allen möglichen Krankheitsbildern liegen. Auch gibt es in dem Sinne keine ausgebildeten Fachärzte, die Ärzte in Akim Oda kümmern sich sozusagen um alles und die Hierarchien sind sehr flach. Dies ist in Ghana auch in anderen Ortschaften, außerhalb der Großstädte, der Fall. 

Gesundheitssystem:

Das Gesundheitssystem in Ghana ist recht einfach aufgebaut und mit Europa nicht zu vergleichen. Es gibt eine Art Basis-Krankenversicherung für jeden Patienten. Allerdings ist der Zugang zu Medikamenten, spezieller Diagnostik und Therapie nur sehr begrenzt. Das liegt zum einen daran, dass bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika, zwar vorhanden aber nicht bezahlbar sind. Zum anderen fehlt den Ärzten, vor allem in Akim Oda, das nötige Know-How. Beispielsweise verfügt das Krankenhaus zwar über ein Ultraschall- und Narkosegerät, aber die Ärzte wissen nicht damit umzugehen. Ein Defibrillator hingegen ist gar nicht erst vorhanden.

Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Station
Station im Akim Oda Government Hospital - © L. B.

ARBEITSKLEIDUNG

In Ghana tragen die Ärzte eher schickere „Business“-Kleidung mit einem Kittel darüber. Einheimische Studenten bevorzugen Alltagskleidung mit Kittel. Man kann aber auch Jeans und Kasacks tragen, denn mit Kittel kann es auf Dauer sehr warm im Krankenhaus werden. Kurze Hosen sind jedoch eher unüblich. Bei den Schuhen muss man eigentlich nichts Besonderes beachten.

Die Arbeitskleidung, wie zum Beispiel Kittel und Kasacks, bringt man von Deutschland mit. Gegebenenfalls kann man diese vor Ort gestellt bekommen, wird aber nicht empfohlen. Sowohl für euch, als auch für das Krankenhaus in Ghana wäre es praktisch, wenn ihr mal in eurer Uniklinik-Wäscherei nachfragt, ob ihr alte Kittel oder Kasacks mitnehmen und auch gleich dort zurücklassen könnt.

Arbeitsmaterialien:

Auch Arbeitsmaterialien sollte man mitbringen, insbesondere wenn man vor hat während der Famulatur in Ghana in die Chirurgie bzw. den OP zu gehen. Dies bezieht sich vor allem auf Handschuhe, Mundschutz und OP-Hauben, die im Krankenhaus nicht immer vorhanden sind. Zusätzlich sollte ein Stethoskop und Händedesinfektionsmittel Teil des ↵ Reisegepäcks sein.

Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Arbeitskleidung
Arbeitskleidung - © L. B.

STATIONSABLAUF DER FAMULATUR IN DER CHIRURGIE IN AKIM ODA (GHANA)

Wie schon oben beschrieben, gibt es im Krankenhaus keine richtige Einteilung nach Fachgebieten. Es gibt viel eher getrennte Stationen für Frauen, Männer und Kinder sowie Geburtshilfe als zusätzliche Station. Man wird überall mal eingeteilt, also in der Inneren Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe. Einen speziellen Einsatz- oder Rotationsplan gibt es nicht.

An Krankheitsbildern bekommt man zum einen typisch westliche Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel KHK, COPD und Diabetes mellitus zu sehen. Aber auch AIDS, Malaria, andere komplizierte Infektionen, schwere chirurgische Verletzungen, Schwangerschaftskomplikationen, Hernien und Appendizitis sind dabei. Sprich, eine breite Palette an Krankheiten.

Arbeitsbeginn:

Der Arbeitstag beginnt morgens um 9 Uhr mit einer sehr langen und ausführlichen Visite. Hier wurde immer sehr viel erklärt und man bekam auch die Möglichkeit die Patienten selber zu untersuchen. Die Ärzte sprechen untereinander einen Mix aus Twi und Englisch. Mit den Studenten wird Englisch gesprochen. Bei einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) würde ich das Englisch der Ärzte mit 4 bewerten.

In welchem Team man eingeteilt ist, wird sehr flexibel geregelt und man kann auch eigenen Wünsche äußern. Wenn beispielsweise eine spannende Operation anstand, durfte man mit in den OP gehen. Auch hat man die Möglichkeit in die Notaufnahme zu gehen und die spannenden Fälle zu verfolgen.

Mittags:

Mittags gehen die Ärzte dann gemeinsam essen, zum Beispiel in der krankenhauseigenen Mensa.

Nachmittags:

Nachmittags finden dann noch spezielle Fortbildungsveranstaltungen für Studenten statt, wenn die Zeit dafür da ist. Vor allem einheimische Studenten, aber auch Gaststudenten, halten in Anwesenheit eines Arztes Vorträge zu Themen aus der Inneren Medizin, wie zum Beispiel Antibiotika, Asthma bronchiale und Diabetes mellitus.

Generell durfte man als ausländischer Student so gut wie alles machen, wenn man möchte. Man wird auch immer sehr gut in den jeweiligen Bereich eingearbeitet. Hier zu nennen sind vor allem Sectios, Hernien-OPs, Durchführung einer Narkose, Reanimation und Aszitespunktionen. Selbst Anordnungen werden, nach Rücksprache mit dem Arzt, von den Studenten durchgeführt.

In der Regel endete die Arbeit gegen 15 Uhr. Allerdings genehmigt das Krankenhaus auch mal einen Tag frei, um zum Beispiel an einem verlängerten Wochenende das Land zu bereisen und kennenzulernen. Insgesamt ist der Lerneffekt im Akim Oda Government Hospital sehr hoch! Jeden Tag konnte man was neues, spannendes sehen.

Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Behandlungsraum
Behandlungsraum - © L. B.
Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - OP
OP-Saal - © L. B.
Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Station
Station im Akim Oda Government Hospital - © L. B.
Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Arbeitskleidung
Arbeitskleidung - © L. B.
Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - Behandlungsraum
Behandlungsraum - © L. B.
Famulatur in Ghana (Akim Oda) - Ablauf in der Chirurgie - OP
OP-Saal - © L. B.

Schreibe einen Kommentar