CHIRURGIE AM FLINDERS MEDICAL CENTRE

Hier findet ihr einen Erfahrungsbericht über den Ablauf des PJ Tertials in der Chirurgie in Adelaide (Australien) sowie ein paar nützliche Tipps bezüglich der Arbeitskleidung. Informationen über das Flinders Medical Centre und die Hierarchie der Ärzte erhaltet ihr in dem Kapitel ↵ Innere Medizin.

PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Chirurgie - Krankenhaus
Flinders Medical Centre - © Robert Stein

ARBEITSKLEIDUNG

Wie auch schon in dem Kapitel Innere Medizin beschrieben, tragen australische Ärzte auf Station keinen Kittel. Man sollte sich schickere Kleidung und Schuhe für das Krankenhaus mitnehmen. Es muss nicht gleich das Sakko sein, aber als Mann waren Hemd und Hose schon Standard. Jeans sollte man nicht tragen. Es gab aber auch ein paar (wenige) Interns, die sich nicht so wirklich daran gehalten haben. Die Frauen trugen überwiegend ein Kleid oder eine Anzugshose mit Bluse und auch etwas schickere Schuhe. Diese Outfits bieten natürlich im Vergleich zu dem guten alten Kasack und Kittel keinen Stauraum für Arbeitsmaterialien, deshalb hatte fast jeder (auch die Männer) eine Handtasche dabei.

Im OP-Bereich war die Kleidung wie gewohnt – OP-Kasack und Hose. OP-Schuhe werden hingegen nicht von der Klinik gestellt. Viele Ärzte haben einfach saubere Turnschuhe mit Schutzüberzug getragen.

 

PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Chirurgie - Krankenhaus
Flinders Medical Centre - © Robert Stein

STATIONSABLAUF DES PJ IN DER CHIRURGIE IN ADELAIDE (AUSTRALIEN)

Die Teams in der Chirurgie sind nach Organsystem organisiert. Ich war während des PJ in zwei Teams eingeteilt, dem Kolorektal-Team und dem Gastroösophageal-Team. Jedes Team besteht aus einem Fellow, 2 – 3 Registrars, 2 – 4 Interns und zwei Consultants. Die Consultants kümmern dich dabei um mehrere Teams gleichzeitig.

Die Hierarchien waren zumindest oberflächlich sehr flach, es ist kein Problem auch ranghöhere Ärzte ungezwungen anzusprechen. Auch als Elective (PJ-Student) ist es nicht ungern gesehen, wenn man sich interessiert zeigt und Fragen stellt.

Visite in der Chirurgie

Der Arbeitstag während des PJ in der Chirurgie in Adelaide (Australien) beginnt mit der Visite jedes einzelnen Teams unter Leitung des ranghöchsten Arztes. Dies ist meistens der Fellow und einmal die Woche leitet die Visite einer der Consultants. Bei Abwesenheit vom Fellow oder Consultant übernimmt das der dienstälteste Registrar.

Obwohl die Visiten typisch für chirurgische Abteilungen an sich nicht so lang gehalten wurden, dauerte die Visite meist eine halbe Ewigkeit. Die Patienten sind nämlich nicht, wie normalerweise in Deutschland, auf einer Station verteilt, sondern im kompletten Krankenhaus. Somit dauert es allein aufgrund der Wege recht lange. Trotzdem wurde jeder Patient bei der Visite noch einmal kurz körperlich untersucht. Zusätzlich zur „normalen Visite“ ist jedes Chirugie-Team alle 2 – 3 Tage für die chirurgische Aufnahmestation zuständig. Somit musste das Team während der Visite alle Neuaufnahmen besichtigen und sie dann dem passenden Team bzw. der passenden Abteilung zuweisen.

Das Minimum an visitierten Patienten während meiner Zeit waren 6, das Maximum 53. Zusätzlich erschwerend kam noch hinzu, dass jeder Patient zwei Papierakten und eine elektronische Akte besaß, die jeweils unterschiedliche Informationen enthielten und an unterschiedlichen Orten zu finden waren. Ich habe aber Gerüchte gehört, dass sie bald ein elektronisches KIS einsetzen wollten. Während der Visite konnte ich als PJ-Student größtenteils nur zuschauen. Abhängig vom Team war es aber auch üblich, dass die Studenten ab und an einen Patienten zum Vorstellen bei der Visite vorbereiten konnten.

Als Student im OP

Nach der Visite ist man als ausländischer Student ziemlich frei in seiner Zeitgestaltung. Es gab während des PJ in der Chirurgie in Adelaide (Australien) zwar immer die Option in den OP-Saal zu gehen, aber ob man am Tisch stehen konnte oder tatsächlich etwas assistieren war nicht immer klar.

Am besten funktionierte es, wenn man den zuständigen Operateur schon auf Station fragt, ob man mit in den OP kommen könnte. Assistieren gestaltete sich aber trotzdem oft schwierig. Viele erpichte Registrars oder auch Interns konkurrierten um die Assistenzarztplätze und da stand man als ausländischer Student in dieser Hinsicht eher am Ende der Nahrungskette. Studenten sind zudem nicht als feste Arbeitskraft im OP eingeplant. Bewusst wurde mir dies insbesondere als ich mit dem Chefarzt und einer Registrar bei einem abdominellen Eingriff im OP-Saal stand und es einige Haken zu halten gab. Als geschulter Chirurgie-PJler ging ich automatisch davon aus, dass ich die Haken halten solle, aber unser Chef zog es lieber vor sich über den gesamten Situs zu beugen und in unbequemer Position selber Hand anzulegen.

Auch die Einwaschung bzw. das sterile Anziehen vor der Operation verlief unterschiedlich zu dem was ich in Deutschland gewohnt war. So wurde erwartet, dass man sich generell ohne Hilfe die sterile Schutzkleidung und Handschuhe anzog. Dies lag aber nicht unbedingt an mangelnden Kapazitäten, sondern vielleicht am hiesigen Machtverhältnis zwischen Pflege und Ärzten. Um dies reibungslos zu gewährleisten, wird von den ausländischen Studenten erwartet an einem sogenannten „Einwaschung-Einführungkurs“ teilzunehmen. Da dieser anscheinend am ersten PJ-Tag stattfand und ich erst eine Woche später begann, verpasste ich diesen. Leider konnte mir niemand sagen, wann und wo ich so einen „Kurs“ wiederholen kann.

Außerhalb des OPs konnte man sich für den Tag aussuchen, ob man auf Station bleiben, mit einem der Ärzte in die Aufnahme oder in die Innere-Sprechstunde gehen wollte. Generell wurde hier dem ausländischen PJ-Studenten viel Freiraum gegeben. Es war auch kein Problem, wenn man mal etwas früher gehen wollte.

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