INNERE MEDIZIN AM FLINDERS MEDICAL CENTRE

Neben dem Ablauf des PJ Tertials in Adelaide in der Inneren Medizin möchte ich euch auch das Krankenhaus etwas vorstellen und ein paar nützliche Tipps geben, was ihr u.a. bei der Arbeitskleidung beachten solltet.

DAS KRANKENHAUS

Das Flinders Medical Centre ist definitiv etwas Besonderes. Eröffnet wurde es 1976 und hat seitdem einige bauliche Änderungen mitgemacht. Diese Baumaßnahmen führten witzigerweise dazu, dass es nicht mehr einfach möglich war z.B. vom Level 5 direkt zum Level 4 zu kommen. Hierzu müsste man zuerst zum Level 2 fahren, dem Hauptlevel, um anschließend mit einem anderen Fahrstuhl zum nächsten Level zu gelangen. Dies war auch der Grund warum wir am ersten Arbeitstag ca. zwei Stunden gebraucht haben, um unsere Station zu finden. Da wir anscheinend nicht die einzigen waren, die sich während ihres PJ in der Innere Medizin mehrfach im Krankenhaus von Adelaide verlaufen haben, hat dieses sogenannte „Guides“ eingestellt, die einem den Weg durch das Krankenhaus zeigen sollen. Sowas sieht man definitiv nicht überall und hat uns mehrfach zum schmunzeln gebracht.

Auch die Lifte haben eine Besonderheit, denn übersichtshalber bekommen diese spezielle Namen wie zum Beispiel „Koala Lift“, „Duck Lift“ oder „Frog Lift“.

PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf - FMC Krankenhaus
Flinders Medical Centre - © Robert Stein
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Eingangsbereich
Eingangsbereich - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Hospital Guides
"Hospital Guides" - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaid) - Ablauf in der Inneren Medizin - witzige Fahrstühle
"Koala Lift" - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Hospital Guides
"Hospital Guides" - © Saskia Faak

HIERARCHIE DER ÄRZTE

Das Team auf Station besteht aus mehreren Personen. Ganz am Anfang der Hierarchie-Kette stehen die „3rd“- und „4th-year-students“. Nach Abschluss des Medizinstudiums ist es vor-geschrieben ein „Intern“-Jahr zu absolvieren, in dem die Interns unter Aufsicht im Krankenhaus arbeiten und zwischen Notfallmedizin, Allgemeinmedizin und Allgemeinchirurgie rotieren. Nach diesem Jahr sind Ärzte für zwei bis drei Jahre als RMO´s (Resident Medical Officer) beim Medical Board lizenziert. Danach beginnt als sogenannter „Registrar“ die gewünschte Spezialisierung in einem Fachgebiet. Nach Abschluss der Facharztausbildung arbeiten die Ärzte in Australien i.d.R. als „Consultant“ im Krankenhaus, welche eine ähnliche Funktion wie Oberärzte bei uns haben.

ARBEITSKLEIDUNG

In Australien tragen die Ärzte keinen Kittel wie in Deutschland. Die Kleiderordnung ist „neat casual attire“ (gepflegt und bequem). Das heißt: Männer tragen Anzughose und Hemd, Frauen Kleider und zum Teil sogar High Heels. Nahezu jede Frau hat eine kleine Handtasche dabei, um Unterlagen, Stethoskop, Stifte etc. zu transportieren. Selbst bei Männern habe ich das teilweise schon gesehen. Die Ärzte kommen und gehen in dieser Kleidung, was aus hygienischer Sicht bei uns in Deutschland gar nicht denkbar wäre.

Also, wenn ihr euer Reisegepäck packt, denkt daran etwas „Schickes“ für das PJ in Adelaide in der Inneren Medizin mitzunehmen. Beachtet dabei, dass in Adelaide bis zu 42 Grad werden können und es gleichzeitig im Krankenhaus durch die Klimaanlage recht kühl ist. Eine Strickjacke über der Bluse wäre zum Beispiel  passend. Eine kleine Handtasche würde ich auch empfehlen mitzunehmen. Was die Schuhe angeht, wählt auf jeden Fall bequeme Schuhe, die dennoch schick aussehen, wie z.B. Ballerinas. Ihr müsst im Krankenhaus sehr viel laufen.  

PJ in Australien (Adelaid) - Ablauf in der Inneren Medizin - Arbeitskleidung
unsere Arbeitskleidung - © Saskia Faak

STATIONSABLAUF DES PJ IN DER INNEREN MEDIZIN IN ADELAIDE

Es gibt insgesamt vier GMF-Teams (General Medicine). General Medicine bezeichnet eine Station in der alle Patienten aufgenommen werden, die in mehr als einem Organsystem ein Problem haben. Häufig anzutreffende Krankheitsbilder sind COPD Exazerbation, Delir, akutes Nierenversagen, Gastroenteritis, Hautinfektionen mit MRSA/VRE, Anorexia nervosa, STEMI/NSTEMI, Pneumonie, ANCA Vaskulitis, Sepsis und Alkoholintoxikation – sprich bunt gemischt.

Arbeitsbeginn:

Das PJ in der Inneren Medizin in Adelaide beginnt um 8 Uhr morgens mit dem AMU-Meeting (Acute Medical Unit). Patienten, die in der Nacht zuvor über das ED (Emergency Departement) aufgenommen wurden, kommen zunächst auf die AMU. Beim Meeting entscheiden dann die Consultants, ob es sich bei dem jeweiligen Patienten um ein „long stay“ oder „short stay“ handelt. „Short stay“ bedeutet, der Patient bleibt auf der AMU und wird innerhalb der nächsten Tage wieder entlassen. Beim „long stay“ hingegen werden die Patienten auf die GMF 4 – 4 verteilt. Meine Aufgabe war es dann die neuen Patienten von GMF-1 aufzunehmen und anschließend dem Oberarzt vorzustellen. An sich war das eine sehr gute Übung, allerdings wird ein und derselbe Patient insgesamt mindestens vier Mal aufgenommen (im ED, AMU, durch die Studenten und zum Schluss nochmal durch den Consultant), sodass meine Patientenaufnahme nicht wirklich einen zusätzlichen Gewinn gebracht hat.

Anschließend finden die täglichen Visiten statt, die pro Patient bis zu 45 Minuten andauern können. Der Ärzte in Australien führen, im Vergleich zu deutschen Ärzten, eine sehr ausführliche körperliche Untersuchung durch und wiederholen auch immer wieder die Anamnese, obwohl diese bereits durch die vorherige Station erfolgt ist. So dauert alles sehr lange und ist meines Erachtens zum Teil nicht so effizient, wie bei uns in Deutschland.

Auch wird nahezu alles handschriftlich verfasst und nicht digitalisiert, was zusätzlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Dies gilt ebenfalls für Radiologieanforderungen. Möchten die Ärzte beispielsweise ein CT für einen Patienten anmelden, muss das entsprechende Formular erst einmal persönlich zum Radiologen gebracht werden (mit dem Fahrstuhl zum Hauptlevel fahren, Fahrstuhl wechseln und in ein anderes Level zum Radiologen fahren), um diesen dann davon zu überzeugen, dass das CT notwendig ist.

Rotation:

Nach zweieinhalb Monaten während meines PJ in Adelaide in der Inneren Medizin habe ich von der GMF auf die AMU gewechselt, die sich nochmal in zwei Bereiche mit je einem Consultant aufteilt. Die Arbeit auf der AMU war sehr ähnlich wie auf der GMF, nur dass die Visiten etwas schneller gingen und das entsprechende Krankheitsbild fokussierter angegangen wird. Meist war nach der Visite etwas Zeit, sodass der Consultant ein paar Krankheitsbilder mit den Studenten durchgesprochen und Haus-aufgaben für den nächsten Tag mitgegeben hat.

Mittags:

Zum Mittag gehen die Ärzte entweder zusammen im Team in eine der vielen Cafeteria vor dem Krankenhaus oder in den schönen Innenhof, in dem mehrmals pro Woche gegrillt wird. Es scheint am Flinders Medical Centre ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Medizinstudenten generell von den Ärzten zum Kaffee eingeladen werden. In den vier Monaten habe ich es einmal geschafft, dass sie meine Einladung annehmen.

Nachmittags: 

Nachmittags werden dann Aufgaben erledigt, die während der Visite angefallen sind, oder die Entlassungsbriefe (sog. Discharge Summaries) geschrieben. Solche Aufgaben sind beispielsweise diverse Telefonate, Medikamentenänderungen, Konsile und diagnostische Verfahren anmelden, Angehörigengespräche, Dokumentationen aktualisieren usw. Jedoch sind das viele Aufgaben, die ihr als PJ-Student nur eingeschränkt erledigen könnt.

Wenn ich während meines PJ in der Inneren Medizin in Adelaide manchmal nichts zu tun hatte, habe ich angeboten den Schwestern zu helfen und Blut abzunehmen bzw. Flexülen zu legen. Darüber haben sich vor allem die Schwestern immer sehr gefreut. In Australien übernehmen solche Aufgaben nämlich i.d.R. sogenannte „blood nurses“ und selten die Ärzte.

Für Studenten und Interns werden regelmäßig diverse Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Donnerstags findet bei-spielsweise das „Radiology Meeting“ statt, in dem radiologische Bilder von Patienten der GMF 1 – 4 vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Weitere Veranstaltungen sind das Intern Teaching, bei dem Ärzte anhand von Patientenfällen bestimmte Erkrankungen vorstellen, sowie das Intern Meeting, wo die Interns selbst einen Vortrag zu ausgewählten Krankheitsbildern halten.

Weihnachten in Australien:

Sehr witzig fand ich die Zeit über Weihnachten. So viel Kreativität habe ich in Krankenhäusern noch nie gesehen. Dies würde sich sicher mit unseren Hygienevorschriften in Deutschland nie vereinbaren lassen. Aus Handschuhen werden Weihnachtsbäume gefertigt, Rollstühle werden als Rentier umfunktioniert, aus Papptassen ein Schneemann gebaut usw. Die Australier lieben kitschige Weihnachtsdekoration!

PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - General Medicine
GMF 4 - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - AMU
AMU - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Innenhof
Innenhof - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Fortbildung für Studenten
Intern meeting - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdeko auf dem Gang
Weihnachtsdekoration auf dem Gang - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdekoration
Becher-Schneemann und Handschuh-Weihnachtsbaum - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdeko auf Station
Weihnachtsdekoration auf Station - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdeko auf Station
Weihnachtsdekoration auf Station - © Saskia Faak

FAZIT

Alles in allem bestand die Arbeit auf Station weniger aus praktischen Fertigkeiten, sondern vielmehr aus Gesprächsführung und körperlicher Untersuchung. Es ist nicht unüblich als Student auch mal stundenlang mit den Ärzten mitzulaufen, ohne etwas tun zu können. Ich bekam aber während meines PJ in der Inneren Medizin in Adelaide die Möglichkeit mich in Patientenaufnahmen und -vorstellungen zu üben, was zusätzlich mein medizinisches Englisch aufgefrischt und sogar verbessert hat.

Die Zeit in Australien werde ich nie vergessen! Ich habe so vieles erlebt, viele neue Freundschaften geschlossen und Erfahrungen gesammelt, zu denen ich in Deutschland im Krankenhaus sehr wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Ich kann es jedem nur empfehlen, diese einzigartige Möglichkeit wahrzunehmen!

 

PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf - FMC Krankenhaus
Flinders Medical Centre - © Robert Stein
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Eingangsbereich
Eingangsbereich - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaid) - Ablauf in der Inneren Medizin - witzige Fahrstühle
"Koala Lift" - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaid) - Ablauf in der Inneren Medizin - Arbeitskleidung
unsere Arbeitskleidung - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - General Medicine
GMF 4 - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - AMU
AMU - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Innenhof
Innenhof - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Fortbildung für Studenten
Intern meeting - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdeko auf dem Gang
Weihnachtsdekoration auf dem Gang - © Saskia Faak
PJ in Australien (Adelaide) - Ablauf in der Inneren Medizin - Weihnachtsdekoration
Becher-Schneemann und Handschuh-Weihnachtsbaum - © Saskia Faak

Erfahrungsbericht von       

Dr. med. Saskia Faak

ehem. Studentin der Technischen Universität Dresden

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